Beteiligung zum Bebauungsplan Nr. 71 “Wasapark” – Entwurf zur Öffentlichen Auslegung

Sehr geehrter Herr Dr. Müller,

sehr geehrte Stadträte, 

aus Gesprächen mit Bürgern zum o.g. Plan gebe ich folgende Rückmeldung mit der Bitte, einige Sachverhalte zu prüfen. 

Uns fällt auf, dass in den letzten Jahren in Radebeul ein Kurs der Bebauung eingeschlagen worden ist, der  verständlicher Weise ökonomische Ziele verfolgt, weniger aber dem Konzept „Radebeul- Gartenstadt im Grünen“ gerecht wird und damit den steigenden Anforderungen an die Ökologie im städtebaulichen Kontext. Es entsteht der Eindruck, dass z.B. mit dem „Dichterviertel“ und der Bebauung auf dem Gelände des ehemaligen „Glas Invest“, dazu weiteren Einzelentscheidungen im Bereich Oberlößnitz und auch im „Wasapark“ Projekt, die Entscheidungen zugunsten größerer Kubatur der Gebäude und geringer werdenden Grünflächen/Gartenflächen getroffen wird.  Diese Politik ist offenbar von der Stadt gewollt. Sie setzt sich im Bebauungsplan 71 fort. Wir halten das für kritisch mit Blick auf den Klimawandel. Mehr „Betondichte“ sorgt für mehr Hotspots. Mehr überbaute Fläche schmälert das Versickern von Wasser und gefährdet die Grundwasserbestände. Auch hatten wir gehofft, dass architektonische Fehlentscheidungen in DDR-Zeiten mit neuen Bauvorhaben korrigiert werden wie geschehen mit dem Abriss des Glas-Invest-Baues. Der „blaue Riegel“ des Wasaprojektes bleibt eine architektonische Zumutung. 

Wir bitten den Stadtrat diese Grundhaltung zu prüfen. Sie scheint aus unserer Sicht nicht den Erfordernissen des Klimawandels, einer sozialen Ausgewogenheit der Bevölkerung durch eine angemessene bezahlbare Wohnraumversorgung für untere Einkommen bzw. Familien gerecht zu werden.  Schon jetzt liegt der durchschnittliche Mietpreis im Bebauungsgebiet bei 11, 54 €/qm. Die Preise steigen, zumal durch die Baugenehmigung der Wert des Baugrundstückes erheblich gestiegen ist. Den Interessenten für die Wohnungen im Bereich „Glasinvest“ wurde vor zwei Jahren ein Quadratmeterpreis von 10,00 € angeboten. Jetzt, bei Abschluss der Mietverträge liegt der Durchschnitt bereits bei 12,00€. Die Preisentwicklung im Wasapark wird steiler verlaufen, so dass Wohnraum für Familien, Rentner und  Bürgern in sozial prekären Verhältnissen ohne Subventionen nicht erschwinglich ist. Der Investor des Wasaprojektes profitiert durch das Genehmigungsverfahren, ohne sich mit sozialen Fragen auseinandersetzen zu müssen. Diese überlässt er der Stadt, macht aber einen deutlichen Gewinn mit dem entwickelten Projekt. Wir hielten es deshalb für angemessen, dass der Investor der Stadt Radebeul im sozialen Bereich etwas „wiedergibt“ bzw. der Stadtrat das von ihm fordert. Neben der grundlegenden Haltung zur Bauentwicklung bitten wir deshal, dass der Stadtrat folgende Sachverhalte prüfen lassen sollte:

Soziale Aspekte

  • Aus dem Bebauungsplan geht nicht hervor, wieviel „Familienwohnraum“ im Verhältnis zu anderem Wohnraum – „Single“ oder kleineren Wohnraum – geschaffen wird. Kann hier nicht eine Quote festgelegt werden, damit Familien und andere Mieter gemischt werden?
  • Soweit ersichtlich, sind zwar großflächige Tiefgaragen, aber keine Kellerräume vorhanden. Wie wird in diesem Zusammenhang die Einhaltung von §48(2) der Sächsischen Bauordnung eingehalten: „(2) In Wohngebäuden der Gebäudeklassen 3 und 5 sind leicht erreichbar und gut zugängliche Abstellräume für Kinderwagen und Fahrräder sowie für jede Wohnung ein ausreichend großer Abstellraum herzustellen.“   Wir können in der vorliegenden Planung dies nicht erkennen. Oder haben wir etwas übersehen? Wo werden Kinderwagen untergestellt und Fahrradplätze in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen, zumal Lastenfahrräder in der Stadt Radebeul eine Alternative zum Autoverkehr wären? E-Steckdosen sind für E-Mobilität ja vorgesehen. 
  • Es ist anzunehmen, dass auf Grund der zentralen Lage dieser Wohnraum für Rollstuhlfahrer besonders interessant sein könnte. Wir bitten um Prüfung, ob der Stadtrat die Schaffung von 4 rollstuhlgerecht ausgebaute Wohnungen fordern sollte und Wohnungen, die durch das Sozialamt für Hartz IV- bzw. Sozialhilfebedingungen/Altersgrundsicherung vergeben werden können.
  • Nach wie vor halten wir die Idee, jenseits der Kleinbahn einen Spielplatz (für größere Kinder) zu schaffen für problematisch. Die zwei kleineren Spielplätze im Baugelände sind ein Versuch, aber keine idealer Kompromiss. Das Überqueren der Straße und Kleinbahn könnte gefährlich werden. und stellt eine Unfallquelle dar. Besser wäre die Integration des Spielplatzes in das Baugelände.

Artenschutzfachbeitrag

  • Wer stellt die Kontrollinstanz einer Ökologischen Baubegleitung (ÖBB)? Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) Meißen soll laut Schlusssatz des Artenschutzfachbeitrages Ausnahmegenehmigungen ggfs. erteilen. Ist sie auch die Kontrollinstanz? Wenn ja, wie werden die Entscheidungen der UNB kontrolliert? Sollten der UNB nicht weitere Verbände wie der NABU zur Seite gestellt werden?

Zur Bebauung –

  • Wir halten die Dichte der Bebauung für zu intensiv. Die in der Bürgerversammlung vorgestellten Ideen suggerierten wesentlich mehr Grünfläche im Innern der Wohnanlage als tatsächlich jetzt ersichtlich sind. Vielleicht könnte ein Wohnhaus oder ein anderes Gebäude wegfallen. Mehr Grünfläche ist geboten, um auch mehr Sickerfläche für das Oberflächenwasser zu haben. Die durch die Tiefgaragen überbauten Flächen zählen sicher nicht als Sickerflächen.
  • Wir bitten zu prüfen, ob der große Oberflächenwassersammler auf der Meißner Strasse tatsächlich den Wassermassenabfluss fassen kann, die bei plötzlichen Starkregen anfallen wird. Nach unseren Kenntnissen ist der Sammler bereits bis an die Obergrenze ausgelastet.
  • Ersichtlich ist aus den Messungen des Schallschutzgutachtens, dass die Grenzwerte beim Ein-/Ausfahren zu den Garagen überschritten werden. Die Nachbarschaften könnten beeinträchtigt werden. Wir unterstützen den Vorschlag des Gutachters, als zusätzliche Schallschutzmaßnahme anstatt der offenen Tiefgaragenrampen die Umsetzung von eingehausten Rampen mit einer schallabsorbierenden Auskleidung zu prüfen. Auch erscheint es uns sinnvoll, den Straßenverkehr nachts auf 30km zu drosseln.
  • Es ist für Radebeul von Vorteil, dass Parkflächen für das Karl-May-Museum im Areal vorgesehen sind. Fraglich bleibt, wo werden künftig die gelegentlich parkenden Busse auf dem aktuellen Parkplatz stehen? Sollte der Publikumsverkehr für das KM-Museum sich steigern, fehlen da nicht weitere Ausweichflächen? 

Wir sind nicht die Fachleute, um die Planungsunterlagen im Detail nachvollziehen zu können. Vielleicht gehören manche Fragen bereits in die nächste Stufe der Umsetzung. Unser Eindruck ist, dass jetzt „Pflöcke“ geschlagen werden, die sich nicht mehr grundlegend ändern lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Mendt